Bei einer Audienz für Vertreter der Initiative „Wirtschaft in Gemeinschaft“ mahnte der Papst: „Geld soll niemals Gott ersetzen“. 

Veröffentlicht in religion.orf.at am 04.02.2017

170204 udienza papa 29 ridRund 1.000 Vertreter der Initiative „Wirtschaft in Gemeinschaft“, die von der katholischen Fokolar-Bewegung vor 25 Jahren initiiert wurde, nahmen an dem Treffen in Castel Gandolfo bei Rom mit dem Papst in der Audienzhalle teil, wie Radio Vatikan berichtete.

Wirtschaft und Gemeinschaft aus katholischer Sicht

Wirtschaft und Gemeinschaft würden in der heutigen Welt getrennt betrachtet, doch aus katholischer Sicht gehörten sie zusammen, so der Papst. Denn die Wirtschaft sei da, um für das Gemeinwohl einer Gemeinschaft zu sorgen, erinnerte Franziskus die Anwesenden. Deshalb sei es wichtig, den Profit auch und vor allem mit den Armen zu teilen.

Franziskus betonte drei Stichwörter: Geld sei ein Mittel zum Zweck, um anderen zu helfen. Niemals dürfe das Geld vergöttert werden, so der Papst. Der Geld-Gott sei nichts anderes als der Wunsch nach ewigem Leben. Das Geld und die Güter, die man damit kaufen könne, seien eine „Illusion, um den Tod zu besiegen“. Man kaufe Autos oder Handys, die im Laufe der Zeit alt werden und kaputt gehen, dann werfe man sie weg und kaufe neue Geräte, wies der Papst auf die Konsum-Dynamik hin.

Das Projekt der Fokolar-Gemeinschaft stelle demgegenüber andere Werte davor: der ethische und spirituelle Faktor sei wichtiger, deshalb sei die Initiative ein Gewinn für alle, denn die Gewinne werden miteinander geteilt. Jeder habe etwas davon. Gleichzeitig werde auch die Vergötterung des Geldes bekämpft, indem sie dem Geld sagen: „Du bist nicht Gott.“

Kritik am Kapitalismus

Das zweite Stichwort, das bei der Fokolar-Bewegung eine zentrale Rolle spiele, sei „Armut“, erinnerte der Papst. Bereits in der Bibel werde von den Armen berichtet und wie man sie mithilfe der „Abgabe des Zehnten“ unterstützt habe. Dasselbe gelte in der heutigen Welt mit den Steuern. Man bezahle den Staat, damit dieser Mittel habe, um der Gemeinschaft zu helfen. Wer Steuern hinterziehe oder gar nicht bezahle, der schade zuerst sich selber und dann auch der ganzen Gemeinschaft, so der Papst weiter.

Franziskus kritisierte abermals den Kapitalismus, der „menschlichen Abfall“ herstelle. Es sei absurd, dass in diesem kapitalistischem System zuerst Menschen „weggeworfen“ und „versteckt“ würden. Eine Gesellschaft, die ihre Armen nicht mehr sehe, sei selber eine „arme Gesellschaft“ sowohl im übertragenem wie auch im eigentlichen Sinne.

Als Beispiel nannte der Papst die Flugtickets, bei der man einen kleinen Zuschlag für die Umweltbelastung bezahle oder die Glückspielebetreiber, die Projekte für die Behandlung von Spielsüchtigen finanzieren. Das schlimmste Beispiel sei aber, wenn Waffenhersteller Krankenhäuser finanzieren, die Kinder kurieren, die durch Krieg verletzt wurden. Eine Wirtschaft in der Gemeinschaft sei also wichtig, um diese Auswüchse entgegenzuwirken und stattdessen auf die „gute Seite“ des Profits hinzuweisen.

Deshalb sei es wichtig, dass die „Spielregeln der sozialen und wirtschaftlichen Systeme“ in der heutigen Welt geändert würden, fügte Franziskus an. Solange auch nur ein einzelner Mensch „weggeworfen“ werde, sei das Ziel einer gerechteren und besseren Welt nicht erreicht.

Das dritte Stichwort des Papstes lautete „Zukunft“: Das Projekt der Fokolar-Bewegung für die Unternehmen sei 25 Jahre alt und habe bereits positive Früchte. Ihm sei aber bewusst, dass dies nur ein kleines Beispiel sei und die gesamte Wirtschaft davon vielleicht nicht Kenntnis genommen habe.

Es komme aber nicht auf die Masse an, denn auch in der Bibel wird von Salz, Sauerteig oder kleiner Herde gesprochen. Doch aus 170204 udienza papa 30 ridden kleinen Dinge im Leben können großartige Entwicklungen entstehen. Selbst die Propheten sprachen von einem kleinen Kind und aus jenem kleinen Kind sei dann Gott Mensch geworden. Deshalb betonte der Papst, dass man mit Freude in die Zukunft blicken soll, auch wenn man das Gefühl habe, man sei zu wenig, um Gutes zu schaffen und die Welt zu verändern.

Bevor der Papst seine Rede hielt, stellten einige Unternehmen, Wirtschaftsstudenten und Start-Up-Engagierte ihre Projekte vor und berichteten von den Früchten ihres Engagements. Franziskus bedankte sich bei ihnen für das Engagement.

Papst kritisiert CO2-Kompensation für Flugreisen

Papst Franziskus hat die CO2-Kompensation für Flugreisen als scheinheilig angeprangert. Er forderte ein Wirtschaftssystem, dass die Zahl der Opfer nicht nur verringere, sondern erst gar keine Opfer hervorbringe.

„Die Flugzeuge verschmutzen die Atmosphäre, aber mit einem Bruchteil der Summe des Ticketpreises werden dann Bäume gepflanzt, um den angerichteten Schaden zu kompensieren“, sagte er am Samstag im Vatikan. Wenn man diese Logik auf die Spitze treibe, werde es eines Tages soweit kommen, dass Rüstungskonzerne Krankenhäuser für jene Kinder einrichteten, die ihren Bomben zum Opfer fielen. „Das ist Heuchelei“, so der Papst.

Es sei das größte ethische Problem des heutigen Kapitalismus, erklärte Franziskus weiter, dass er Abfälle produziere und dann versuche, sie zu verbergen oder zu behandeln, um sie unsichtbar zu machen.

Fluggäste, die den klimaschädlichen CO2-Ausstoß ihres Fluges kompensieren möchten, können Geld an sogenannte Kompensationsagenturen überweisen. Die Höhe der Summe richtet sich in der Regel nach Flugdistanz, Verbrauch und Sitzklasse. Die Agenturen investieren das Geld dann in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern. Kritiker, wie etwa die Umweltschutzorganisation Greenpeace, sehen in dieser Praxis eine moderne Form des Ablasshandels, die zu vermehrten Flügen führe.

religion.ORF.at/KAP

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