Leitartikel in “Avvenire”92

 

 

In dieser Rubrik finden sich alle Leitartikel von Luigino Bruni in “Avvenire” ab Juli 2011

Auf die „Nicht-Elite“ hören

Davos, der Papst, die fehlende Realität

Von Luigino Bruni

(publiziert in Avvenire , 23.01.2014)

Logo Davos WEF ridDie Stimmung in Davos 2014 war optimistisch. Man sah die große Krise seit 2008 als überholt an, zu archivieren in den Geschichtsbüchern und Schubladen trauriger Erinnerungen der Familien und Nationen. Schade, denn der Optimismus entbehrt jeder tragfähigen Grundlage. Warum wollte Davos der Öffentlichkeit ein ganz anderes Bild der Wirtschaft präsentieren, als es die große Mehrheit im Kopf hat?

Weiterlesen...

Reden wir drüber – sonst geht es nicht weiter

Kommentar: Wie wichtig der menschliche Umgangsstil im Betrieb ist

Von Luigino Bruni

Veröffentlicht in Avvenire , Sonntag, 16.6.2013

logo_avvenireWenn ein Land keine Arbeitsplätze schafft, leiden auch die, die Arbeit haben. Der Grad des Wohlbefindens am Arbeitsplatz ist gesunken, vor allem im südlicheren Europa. 68% der Franzosen z.B. sagen, dass zwischen 2008 und 2012 die Qualität ihres Arbeitslebens schlechter geworden ist. Der Prozentsatz der Arbeitnehmer zwischen 35 und 49 Jahren liegt bei 75%. Es gibt also eine echte Belastung der Arbeitnehmer mittleren Alters, die nicht am Anfang oder Ende ihres Arbeitslebens stehen.

Weiterlesen...

Die Präsenz der Frauen…

 Wie die Frauen am Grab Jesu sind christliche Charismen stets Vorreiter in historischen Krisen, an den „Karsamstagen“ der Geschichte. Sie bilden die Brücke zwischen Karfreitag und Ostersonntag…

Osterkommentar von Luigino Bruni in der ital. Tageszeitung „Avvenire“vom 30. März 2013

logo_avvenire

Von Tag zu Tag zeigt sich das Sterben unserer politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wertewelt deutlicher, wie wir sie im 20. Jahrhundert aufgebaut haben, ohne dass ein Auferstehen absehbar ist. Karsamstag - das „noch nicht“ ohne ein „schon“.

Die Menschheitsgeschichte kennt viele und manche epochalen Karsamstage. So gesehen ist es entscheidend, dass am Ursprung des christlichen Ereignisses wie auch des europäischen Humanismus der Karsamstag steht, eine historische Passage zwischen Tod und Auferstehung, die ebenfalls Teil einer Heilsgeschichte ist.

Weiterlesen...

Eine andere Wirtschaft namens Franziskus

 Ideen und Praxis jenseits des Umgangsstils „ohne Umarmung“

von Luigino Bruni (Kommentar erschienen in Avvenire am 24.03.2013)

logo_avvenire

Franziskus ist ein vielsagender Name, auch für die Wirtschaft und die Finanzwelt. Und er enthält wesentliche Botschaften für eine wirklich tiefgreifende Überwindung unserer Krisen. Franz von Assisi, der die „Frau Armut“ bevorzugte, löste grundlegende wirtschaftliche Veränderungen aus, in Theorie und Praxis. Die Franziskanische Bewegung brachte (im 14. Jahrhundert) die erste bedeutende Schule ökonomischen Denkens hervor und mit den inzwischen berühmten „Monti di Pietà“ (Vorläufer der Volks- und Solidarbanken Italiens und in Teilen Europas) steht sie am Anfang der Banken- und Finanzgeschichte.

Weiterlesen...

Märkte und Unternehmen sind keine Privatangelegenheit

Mehr Wirtschaftsdemokratie erforderlich

Von Luigino Bruni

(Kommentar in: Avvenire , 3. März 2013)

logo_avvenire

In der Schweiz ging es heute um die Abstimmung zur Begrenzung der Managerlöhne bei börsennotierten Unternehmen. Eine willkommene Gelegenheit, auch bei uns das Thema Löhne der so genannten „Topmanager“ wieder aufzunehmen und damit das wichtigere und grundsätzliche Thema der Wirtschaftsdemokratie. Aber in Italien, in Europa? Ein Grund für die Ferne oder bestenfalls Verspätung dieses Themas ist die Unfähigkeit in Europa – zumal Italiens – eine alternative zur Wirtschafts- und Betriebskultur zu präsentieren.

Weiterlesen...

Das Wort des Jahres

Kommentar - «Politik». Die Moral wiederfinden und damit sich selbst

Von Luigino Bruni

veröffentlicht in Avvenire vom 02.01.2013

logo_avvenire„Wirtschaft“ hieß das Leitwort in 2012, das Hauptwort für 2013 sollte „Politik“ heißen, wenn wir möchten, dass das neue Jahr auch für die Wirtschaft besser wird. Es ist in der Tat bitter nötig, den Trend von Jahrzehnten umzukehren, der uns dazu gebracht hat, immer mehr die Logik der Wirtschaft in nicht-wirtschaftlichen Bereichen anzuwenden, wie im Bildungswesen („Ausbildungsangebot“, „Guthabenpunkte“), in Gesundheitswesen, Kultur und: Politik. Man hört nicht selten namhafte Wirtschaftsjournalisten über Parteien als „Wettbewerber“ sprechen, von politischem „Angebot“ und „Nachfrage“ (was wird der „Preis“ für den Ausgleich sein)?

Weiterlesen...

Die Wirtschaft und die Kunst des Erwartens

Diese Zeit und die Krise

Sonntagskommentar von Luigino Bruni, veröffentlicht in Avvenire am 02.12.2012

logo_avvenireDer Advent – jeder Advent, und jede echte Rettungserwartung, ist vor allem in Zeiten der Krise eine fundamentale Erfahrung. Man kommt aus keiner Krise heraus, wenn man nicht die Kunst des Erwartens übt. Warten auf eine Rettung ist eine freudige und zugleich schmerzhafte Kunst, eine Rettung, die wir zuerst einmal wollen und dann ersehnen müssen. Unsere Krise ist deshalb epochal, weil die Sehnsucht nach Rettung fehlt, es fehlen uns, kollektiv gesehen, die Augen, sie zu sehen, geschweige denn, sie zu erahnen.

Weiterlesen...

Die Arbeitskleidung und das Feiern

Kommentar - Vier Tote und unser Lebensstil

Von Luigino Bruni

veröffentlicht in Avvenire am 26.05.2012

logo_avvenireVier Tote des Erdbebens in der Emilia-Romagna waren bei der Arbeit: Sonntags früh um 4 Uhr. Es ist etwas Besonderes, wenn man am Arbeitsplatz stirbt. In diesen Zeiten der Krise, in der Jobs rar sind, haben uns diese toten Arbeiter mehrere Dinge zu sagen.

Weiterlesen...

Die drängendste Herausforderung ist die Ungleichheit

Der Spätkapitalismus entpuppt sich als später Feudalismus

(Kommentar von Luigino Bruni in Avvenire, 16.9.2012)

logo_avvenireWachsende Ungleichheit in der globalen kapitalistischen Wirtschaft wird zum größten Hindernis für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Grund für die große Ungleichheit an Chancen, Rechten und Freiheiten ist ein „gedopter“ Reichtum, den wir kreiert, aber nicht aus Arbeit geschaffen oder gesunder Entwicklung generiert haben. Schließlich - wie könnte es anders sein? schafft nur Arbeit neue Arbeitsplätze. Wenn man den Pfad nachvollzieht, den wir von der industriellen Revolution bis heute gegangen sind, erkennen wir, wie viele Sorgen uns in der Marktwirtschaft diese Zeichen der Ungleichheit bereiten. Nach ihrem deutlichen Rückgang in den  westeuropäischen Volkswirtschaften des 20. Jahrhunderts, aufgrund des Übergangs der Wirtschaft von feudalen Gesellschaftsstrukturen zu einer viel dynamischeren Marktwirtschaft, triumphiert in dem letzten Jahrzehnt ein Kapitalismus, der im Begriff ist, von Neuem weltweit die Ungleichheit zu erhöhen, sie auf ein Niveau zu heben, das der Anfangssituation nahekommt.

Weiterlesen...

Mehr als ungerecht

Spekulation gefährdet unsere Nahrungsgrundlagen  – Ein Kommentar

Von Luigino Bruni, erschienen in Avvenire am 14.08.2012

logo_avvenireBei den Preisen für Grundnahrungsmittel zeichnet sich eine neue Krise ab. Der Brotpreis war immer schon mehr als ein Spiel von Angebot und Nachfrage: Als eines der wichtigsten Güter ist Brot nicht automatisch eine Ware, die man der Dynamik des Marktes überlassen darf: Brot ist nicht umsonst gleich Arbeit. Für alle Lebewesen ist sie wichtig, aber für Menschen  hat die Nahrung eine symbolische Bedeutung:  alle wichtigen sozialen Beziehungen drehen sich darum, angefangen bei den täglichen Mahlzeiten in der Familie, zur Stärkung und zur Pflege der elementaren Beziehungen.

Weiterlesen...

Drei Lehren aus der Krise

Kommentare - Banken, Europa, Ressourcennutzung

von Luigino Bruni

Erschienen in Avvenire am  28.12.2011

logo_avvenireFinanzen und Wirtschaft sind zu bedeutende Felder, um sie nur Bankern und Wirtschaftlern zu überlassen. Ich denke, in der Zusammenfassung der zweiten Jahreshälfte 2011 können wir zum Abschluss ein Fazit ziehen. Wir sehen, verglichen mit den Anfängen der Krise (2008-2009), dass die Zahlen der Börse und des Geldhandels nicht weit weg und lediglich eine Sache der Fachleute sind, denn sie sind in der Lage, Regierungen zu stürzen, unser Familieneinkommen und unsere Lebensplanung zu verändern. Letztendlich sollten wir uns alle damit beschäftigen. Wir müssen diese Felder stärker besetzen, wenn sie nämlich nicht von den Bürgern besetzt werden, nehmen sie unmenschliche Formen an. Diese Krise vermittelt uns drei Botschaften: Die erste betrifft den Bankensektor. Aktuelle Studien (Universität Ancona: mofir.univpm.it), zeigen, dass die Banken nach dem 15. September 2008 die Firmenkredite gekürzt haben, auch die für die zuverlässigen Unternehmen.

Weiterlesen...

Neuer Pakt für Europa

Kommentar – Wie 1951, nur für die Finanzmärkte

Von Luigino Bruni

Erschienen in Avvenire , 15.04.2012

logo_avvenireDie  finanziäre und wirtschaftliche Instabilität und Unsicherheit, die derzeit und noch auf lange Sicht die Situation der Finanzmärkte wie der Gesellschaft insgesamt kennzeichnen, hängt an einem großen Fragezeichen zur Gegenwart und Zukunft Europas, und zwar des wirtschaftlichen, zivilgesellschaftlichen und politischen Europa. Als 1951 die EGKS  gegründet wurde, die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl („Montanunion“) stand hinter diesem epochalen Ereignis - dem grundlegenden Schritt zu den „Römischen Verträgen“ und  somit zur Europäischen Gemeinschaft – eine geniale und prophetische Eingebung von enormer politischer, kultureller und  auch spiritueller Tragweite: Einen Gemeinschaftspakt zu schaffen gerade auf den beiden strategischen Ressourcen,  die im Zentrum der beiden globalen Konflikte gestanden hatten: Kohle und Stahl, die die Weltkriege speisten.

Weiterlesen...

Wachstum, aber anders

Kommentar - Jenseits des BIP, mit Zivilkapital

Von Luigino Bruni

publiziert in Avvenire , Sonntag, 29.04.2012

logo_avvenireAuch Mario Draghi hat nun einen Appell für einen «Wachstumspakt» lanciert. Angela Merkel ist inzwischen überzeugt, dass er notwendig wird. Vielen wird langsam klar – Gott sein Dank auch denen mit Einfluss: einzig auf den «Fiskalpakt» (Sparkurs) zu setzen, ist zu wenig und birgt das Risiko einer weiteren erschlechterung der Wirtschaftslage der eher finanzschwachen Staaten Europas. Wachstum ja: aber Wachstum worin? Ohne radikalen, oft naiven Thesen (in ihren Therapievorschlägen zum sogenannten Negativwachstum) zuzustimmen, müssen wir uns der wichtigsten Frage bewusst sein, Wachstum „wovon“ eigentlich?  Bei Wachstum denkt man normalerweise an Wachstum des Bruttoinlandprodukts BIP.

Weiterlesen...

Wachstum als Veränderung

Kommentar - Jenseits des BIP, mit Zivilkapital

Von Luigino Bruni

publiziert in Avvenire , Sonntag, 29.04.2012

logo_avvenireAuch Mario Draghi hat nun einen Appell für einen «Wachstumspakt» lanciert. Angela Merkel ist inzwischen überzeugt, dass er notwendig wird. Vielen wird langsam klar – Gott sein Dank auch denen mit Einfluss: einzig auf den «Fiskalpakt» (Sparkurs) zu setzen, ist zu wenig und birgt das Risiko einer weiteren erschlechterung der Wirtschaftslage der eher finanzschwachen Staaten Europas. Wachstum ja: aber Wachstum worin? Ohne radikalen, oft naiven Thesen (in ihren Therapievorschlägen zum sogenannten Negativwachstum) zuzustimmen, müssen wir uns der wichtigsten Frage bewusst sein, Wachstum „wovon“ eigentlich?  Bei Wachstum denkt man normalerweise an Wachstum des Bruttoinlandprodukts BIP.

Weiterlesen...

Kommentar - Vier Tote und unser Lebensstil

Kommentar - Vier Tote und unser Lebensstil

Die Arbeitskleidung und das Feiern

Von Luigino Bruni

veröffentlicht in Avvenire am 26.05.2012

logo_avvenireVier Tote des Erdbebens in der Emilia-Romagna waren bei der Arbeit: Sonntags früh um 4 Uhr. Es ist etwas Besonderes, wenn man am Arbeitsplatz stirbt. In diesen Zeiten der Krise, in der Jobs rar sind, haben uns diese toten Arbeiter mehrere Dinge zu sagen. Zuallererst sprechen sie mit der Kraft der Tragödie von unserer Zeit, die sich komplett um Konsum und Geld dreht: Es gibt noch Fabriken, sogar Schichtarbeit und Schichtarbeiter, die diese Krise verbittert und noch härter gemacht hat; in Städten und Gemeinden halten sie durch ihren Arbeitseinsatz unsere Wirtschaft am Laufen und geben echte Hoffnung.

Weiterlesen...

Das italienische Modell der sozialen Marktwirtschaft

Ein deutscher Weg, italienische Werte, eine anstehende Entscheidung…

Von Luigino Bruni

Veröffentlich in Avvenire am 08.07.2012

logo_avvenire Italiens Präsident  Monti hat versichert, er teile mit Deutschland die Vision von einer "in hohem Maße wettbewerbsfähigen sozialen Marktwirtschaft", und reagierte so auf andere Stimmen in Italien, die diesen vielversprechenden Begriff ins Gespräch bringen und dazu aufrufen.  Eine Wirtschaft, die sozial, marktwirtschaftlich und darüber hinaus höchst wettbewerbsfähig sein soll, könne nur allen zu Gute kommen:  den Befürwortern des freien Marktes, denen, die für soziale Bedürfnisse und Solidarität eintreten, und sogar denen, für die mithilfe des Marktes Effizienz, Leistung und Wettbewerb vorherrschen sollen.
Man sollte jedoch vorsichtig sein gegenüber Argumenten und Parolen, die allen gefallen wollen, denn gerade die Politik ist die Kunst der Entscheidung zwischen Alternativen mit unterschiedlichen Kosten und Nutzen.

Weiterlesen...

Editorial - Unternehmer statt Spekulanten

 Neue Torten

von Luigino Bruni

Veröffentlicht in Avvenire am 02/10/2011

logo_avvenire

Es gibt keinen Ausweg aus der Krise durch Einsparungen, Einschnitte und Steuern. Für Unternehmen, Politik und Wirtschaft besteht ein dringendes Bedürfnis nach Erneuerung. Und die ernsthafte Frage kommt auf: Wie machen? Die Umsetzung ist komplex, aber in Italien (wie im Westen) entstehen überall neue Unternehmungen und neue Unternehmer. Die Unternehmer sind heute viel zu oft in den Schlagzeilen unserer Medien. Und das Substantiv „Unternehmer“ wird für die, die echte Unternehmer sind, unpassend und beleidigend verwendet. Für viele Individuen, gemeinhin als Unternehmer bezeichnet, müsste man andere Worte verwenden, zum Beispiel Geschäftemacher oder Spekulanten.

Weiterlesen...

Der richtige Weg ist mühsam

Drei Schwächen und zu viel Zögerlichkeit

Der richtige Weg ist mühsam

von Luigino Bruni

Veröffentlich in Avvenire am 06/09/2011

logo_avvenireAls Italiener und als Europäer sollten wir den Mut haben, uns der Realität zu stellen. Die weltweite Krise der Finanzmärkte hat drei fragile Ursachen: den Kapitalismus in der Finanzwelt (die überhohen Schulden), die europäische Politik, aber auch die in Italien. Dieser globalisierte Zustand des Kapitalismus, der zwei/drei Jahrzehnte lang Wachstum generiert hat dank der privaten und öffentlichen Verschuldung und dank eines kreativen und hochriskanten Umgangs mit den Finanzen (was in erster Linie systembedingt und nicht den Akteuren zuzuschreiben ist), gelangt mittlerweile ans Ende der Fahnenstange. Leider schaffen es die Märkte noch nicht, grundlegende Entscheidungen zu treffen und entschlossen einen neuen Weg zu beschreiten. Deshalb gelingt diese konkrete Umsetzung nicht, trotz der immer ausdrücklicheren Appelle des italienischen Staatspräsidenten, die er an Verantwortliche in Schlüsselpositionen unserer Politik, unserer Gewerkschaften und an wichtige Teile unserer Zivilgesellschaft richtet.

Weiterlesen...

Ein schöner langer Weg

Kommentar – Vertrauen (und Sinn) wiedergewinnen für einen neuen, fairen Markt

Ein schöner langer Weg

von Luigino Bruni

Veröffentlich in Avvenire am 12/08/2011

logo_avvenireHinter der gegenwärtigen Krise steht ein schwerwiegender Vertrauensverlust. Niemand findet mehr vertrauenswürdige Investments, Aktien werden gegen Liquidität verkauft (oder gegen Gold und andere Fluchtgüter). Mehr denn je wird heute deutlich: das Wort Kredit kommt von Glauben, Vertrauen. 1936 hatte der große britische Wirtschaftswissenschaftler J. M. Keynes im Kern beschrieben, was heute passiert. Ein Phänomen, das kaum auf ausgeklügelten Finanzinstrumenten beruht, wohl aber auf einem einfachen psychologischen Mechanismus: Wir sind in die „Falle negativer Erwartungen“ getreten. Eine ernste Vertrauenskrise (in diesem Fall gegenüber den öffentlichen Schulden "souveräner” Staaten) lässt die Anleger verschärft Bares vorziehen und sie gegenüber Finanztiteln extrem misstrauisch sein.

Weiterlesen...

Die Tödliche Umarmung

Editorial – Verschuldung und ein überentwickeltes Finanzsystem

Die Tödliche Umarmung

von Luigino Bruni

Veröffentlich in Avvenire am 07.08.2011

logo_avvenireDie Abwertung wurde von den Märkten erwartet: Das US-Rating der Agentur Standard & Poor's von AAA zu AA + (erstmals in der Geschichte), fügt dem Mosaik, das in diesen Tagen entsteht, ein Teil hinzu. Wir haben zwar noch keine klare Vorstellung davon, was mit unserem Wirtschaftssystem gerade passiert, doch wir können schon absehen, dass wir vor der größten Krise des kapitalistischen Systems stehen; eine Krise, die im Herbst 2008 begann und noch andauert, und wir wissen nicht, wie und wann sie endet.

Der Zusammenbruch im Herbst 2008 enthüllte eine neuen Tatbestand: es ist nicht länger möglich, zwischen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft zu trennen. Seit der Ära der Globalisierung der Realwirtschaft ist eine Krise der Finanzmärkte auch eine Krise der realen Wirtschaft (Beschäftigung, BIP) und umgekehrt. Daher ist diese Krise sowohl ein Fehler unserer Wirtschaftswissenschaftler wie auch unserer Experten (einschließlich Obamas Berater), die mit veralteten Mitteln die Welt beschreiben und ihre Rezepte vorschlagen.

Weiterlesen...

Avvenire - 07/08/2011

Editorial – Verschuldung und ein überentwickeltes Finanzsystem

Die Tödliche Umarmung

von Luigino Bruni

Veröffentlich in Avvenire am 07.08.2011

logo_avvenireDie Abwertung wurde von den Märkten erwartet: Das US-Rating der Agentur Standard & Poor's von AAA zu AA + (erstmals in der Geschichte), fügt dem Mosaik, das in diesen Tagen entsteht, ein Teil hinzu. Wir haben zwar noch keine klare Vorstellung davon, was mit unserem Wirtschaftssystem gerade passiert, doch wir können schon absehen, dass wir vor der größten Krise des kapitalistischen Systems stehen; eine Krise, die im Herbst 2008 begann und noch andauert, und wir wissen nicht, wie und wann sie endet.

Der Zusammenbruch im Herbst 2008 enthüllte eine neuen Tatbestand: es ist nicht länger möglich, zwischen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft zu trennen. Seit der Ära der Globalisierung der Realwirtschaft ist eine Krise der Finanzmärkte auch eine Krise der realen Wirtschaft (Beschäftigung, BIP) und umgekehrt. Daher ist diese Krise sowohl ein Fehler unserer Wirtschaftswissenschaftler wie auch unserer Experten (einschließlich Obamas Berater), die mit veralteten Mitteln die Welt beschreiben und ihre Rezepte vorschlagen.

Weiterlesen...

#EocwiththePope

Folgen Sie uns:

facebook twitter vimeo icon youtubeicon flickr

WiG-Bericht 2012-2013

Cover Report 2012-13 rid mod

Die von Gian Maria Bidone im Namen der WiG-Zentralkommission zusammengetragenen Daten sind detailliert in Englisch veröffentlicht (EoC Report 2012-2013) und beziehen sich auf die Berichtsperiode Oktober 2012 bis September 2013.

Führungslinien für Betriebe der WiG

Binari_rid_modDie Wirtschaft in Gemeinschaft  (WiG) empfiehlt den Betrieben, die sich ihre Ziele und Wirtschaftskultur zu Eigen machen, die folgenden „Führungslinien eines Betriebes“. Sie entstanden aus dem Leben, aus Freud und Leid vieler Tausend Unternehmer und Mitarbeiter weltweit...
Weiterlesen...

Diese Website verwendet Cookies, auch von Drittanbietern, um die Nutzung zu erleichtern. Wenn Sie diesen Hinweis schließen, stimmen Sie der Verwendung der Cookies zu.