EdC - Economia di Comunione

Auf der internationalen Konferenz „Arbeitslosigkeit und Globale Krise“ in Velehrad/CZ hielt Prof. Stefano Zamagni  einen WiG-Vortrag (2. 10. 2011 unter Schirmherrschaft der EU)

von Maja Calfova

111002_Velehrad_02_ridEs war ein Zeichen der Hoffnung, eine neue Sicht der Arbeit, die Prof. Stefano Zamagni am 2. Oktober 2011 in Böhmen aufzeigte. In seinem Vortrag „Beschäftigung,  Arbeitslosigkeit, Zivilwirtschaft“ gebrauchte er zwei Bilder, von der Pyramide und vom Engpass der Sanduhr, um den Unterschied im Arbeitsmarkt von gestern und heute deutlich zu machen. Gestern (Pyramide) genossen nur wenige eine hohe Position in einer Firma, heute (Sanduhr) können viele solche Positionen anstreben.

Und dafür gebe es keine Grenze, denn dank der Globalisierung könnten Firmen, die keine Fachkräfte in ihrer Umgebung finden, weit entfernte Top-Spezialisten anwerben. „Und sie machen das, denn hohe Spezialisierung erhöht die Produktivität und die Profite.“ Die wenig spezialisierten Berufsanfänger fänden heute kaum Arbeit und seien gefangen im Flaschenhals der Sanduhr, sagte Zamagni. „Es ist paradox: Gestern strafte die Arbeitslosigkeit die nicht zur Schule gingen, heute darüber hinaus schon alle, die ihre Schulkarriere auf halbem Weg abbrechen.“

Sein Bild der Sanduhr zeigt auch das Missverhältnis: Heute verlangen die Top-Spezialisten von den Firmen so viel sie wollen und wenn sie nicht zufrieden sind, orientieren sie sich anderweitig. Die aber auf einem unteren Niveau Routinearbeiten machen, müssen sich mit einem niedrigen Grundgehalt zufrieden geben. „Die Reichen von heute sind wesentlich reicher als die Reichen von Gestern“.

Was ist zu tun? Laut Zamagni gibt es drei Interventionsebenen: Die Politik, die Unternehmen, die Gesellschaft

Die Politik müsse zwei Dinge tun: erstens das Steuersystem modifizieren, und aufhören, die Arbeit stärker zu besteuern als111002_Velehrad_01_rid Finanzgeschäfte; zweitens Gesetze verabschieden, die Firmengründungen favorisieren, deren Hauptziel nicht der Profit ist, also Sozialunternehmen. „Aufgabe der Sozialunternehmen ist es, entweder Arbeitsplätze zu schaffen oder gemeinnützige Ziele verfolgen. Sozialunternehmen produzieren zudem eine gewisse Kategorie vom Dienst am Menschen – wie Gesundheit, Erziehung, Babysitting, Altenpflege. Für diese Arbeit braucht man Menschen und keine neuen Techniken oder Roboter.

Die zweite Ebene der Intervention betreffe die Unternehmen. Gesetzlich vorgeschriebene Verantwortung reiche hier nicht aus, gefordert sei auch die Eigenverantwortung gegenüber der Gesellschaft. Die eigentliche Sozialverantwortung des Unternehmens bilde die Schaffung von Arbeitsplätzen, nicht Wohltätigkeit. Das Unternehmen müsse sich „des Schicksals der Menschen in seinem Einzugsgebiet annehmen“. Ein weiterer Aspekt sei die Familienverantwortung des Unternehmens: „Arbeit und Familie sind fundamentale Werte. Wir brauchen politische Überlegungen, wie wir beides versöhnen können, so dass sich Arbeit und Familie parallel entwickeln. Das alles findet sich bei den Firmen der Wirtschaft in Gemeinschaft. Wenn sie diese Prinzipien in die Praxis umsetzen, haben sie Erfolg. Wie alle anderen haben auch sie Probleme, doch haben sie verstanden, dass sie durch Versöhnung der beiden Werte stark werden und ihre Innovationskraft und Kreativität steigern. Denn wo Harmonie existiert, gibt es eine größere Innovation und Kreativität. Also reicht die gesetzliche Verantwortlichkeit nicht mehr aus (Gesetzestreue, Steuerehrlichkeit, gerechter Lohn, Integration, Umweltschutz). Wir benötigen eine soziale Verantwortung, vor allem für die Familie. Das bedeutet, der Arbeitsplatz wird aufgewertet.

Die dritte Ebene berühre die Gesellschaft. Ihre Aufgabe sei es, die Nachfrage hoch zu halten, um so eine deutliche Verbesserung am Arbeitsmarkt zu erzielen. Prof. Zamagni schließlich: “Schlagt euren befreundeten Unternehmern vor, gemeinsam ein Wochenende in Loppiano zu verbringen. Ich habe viele Unternehmer kennengelernt, die nach zwei, drei Tagen in Loppiano wie verwandelt zurückkehrten. Nie hätten sie gedacht, dass man mit betrieblichen Aktivitäten so viel Gutes bewirken und Freude bringen kann. Den Unternehmern die Möglichkeit geben, Gutes zu tun und froh zu sein, das ist das Geschenk, das wir ihnen machen können”.

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