Wig - Wirtschaft in Gemeinschaft - ein neuer Stil wirtschaftlichen Handelns

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"Miteinander für Europa" - Special: Wir bringen aktuell das Communique von
Luigino Bruni, Professor für Volkswirtschaft an der Wirtschaftsfakultät der
Universität Milano-Bicocca, anlässlich der Tagung "Miteinander für Europa"
(12. Mai 2012).

Von Luigino Bruni

veröffentlicht in Zenit  am 12.05.2012

Logo_ZenitEuropa war der Kontinent, auf dem die Marktwirtschaft sich entfaltet hat, wobei das Christentum und seine Charismen (denken wir nur an das Mönchtum) einen entscheidenden Beitrag geleistet haben.

Heute steckt diese Marktwirtschaft in Europa in einer tiefen Krise, die hauptsächlich auf zwei Faktoren zurückzuführen ist: Allem voran das starke Übergewicht der Finanzspekulation gegenüber der Realwirtschaft. Tatsächlich ist das Finanzwesen solange in Ordnung, als es in einem subsidiären Verhältnis (also im Dienst) zur Realwirtschaft steht. Es wird aber unzivilisiert und höchst schädlich, wenn diese Proportion sich umkehrt und Güter, Dienstleistungen und vor allem die Umwelt und die arbeitende Bevölkerung von spekulativen Kapitalgeschäften versklavt und instrumentalisiert werden.

Spekulation gefährdet unsere Nahrungsgrundlagen  – Ein Kommentar

Von Luigino Bruni, erschienen in Avvenire am 14.08.2012

logo_avvenire Bei den Preisen für Grundnahrungsmittel zeichnet sich eine neue Krise ab. Der Brotpreis war immer schon mehr als ein Spiel von Angebot und Nachfrage: Als eines der wichtigsten Güter ist Brot nicht automatisch eine Ware, die man der Dynamik des Marktes überlassen darf: Brot ist nicht umsonst gleich Arbeit. Für alle Lebewesen ist sie wichtig, aber für Menschen  hat die Nahrung eine symbolische Bedeutung:  alle wichtigen sozialen Beziehungen drehen sich darum, angefangen bei den täglichen Mahlzeiten in der Familie, zur Stärkung und zur Pflege der elementaren Beziehungen.

Kommentare - Banken, Europa, Ressourcennutzung

von Luigino Bruni

Erschienen in Avvenire am  28.12.2011

logo_avvenireFinanzen und Wirtschaft sind zu bedeutende Felder, um sie nur Bankern und Wirtschaftlern zu überlassen. Ich denke, in der Zusammenfassung der zweiten Jahreshälfte 2011 können wir zum Abschluss ein Fazit ziehen. Wir sehen, verglichen mit den Anfängen der Krise (2008-2009), dass die Zahlen der Börse und des Geldhandels nicht weit weg und lediglich eine Sache der Fachleute sind, denn sie sind in der Lage, Regierungen zu stürzen, unser Familieneinkommen und unsere Lebensplanung zu verändern. Letztendlich sollten wir uns alle damit beschäftigen. Wir müssen diese Felder stärker besetzen, wenn sie nämlich nicht von den Bürgern besetzt werden, nehmen sie unmenschliche Formen an. Diese Krise vermittelt uns drei Botschaften: Die erste betrifft den Bankensektor. Aktuelle Studien (Universität Ancona: mofir.univpm.it), zeigen, dass die Banken nach dem 15. September 2008 die Firmenkredite gekürzt haben, auch die für die zuverlässigen Unternehmen.

Kommentar – Wie 1951, nur für die Finanzmärkte

Von Luigino Bruni

Erschienen in Avvenire , 15.04.2012

logo_avvenireDie  finanziäre und wirtschaftliche Instabilität und Unsicherheit, die derzeit und noch auf lange Sicht die Situation der Finanzmärkte wie der Gesellschaft insgesamt kennzeichnen, hängt an einem großen Fragezeichen zur Gegenwart und Zukunft Europas, und zwar des wirtschaftlichen, zivilgesellschaftlichen und politischen Europa. Als 1951 die EGKS  gegründet wurde, die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl („Montanunion“) stand hinter diesem epochalen Ereignis - dem grundlegenden Schritt zu den „Römischen Verträgen“ und  somit zur Europäischen Gemeinschaft – eine geniale und prophetische Eingebung von enormer politischer, kultureller und  auch spiritueller Tragweite: Einen Gemeinschaftspakt zu schaffen gerade auf den beiden strategischen Ressourcen,  die im Zentrum der beiden globalen Konflikte gestanden hatten: Kohle und Stahl, die die Weltkriege speisten.

Ein deutscher Weg, italienische Werte, eine anstehende Entscheidung…

Von Luigino Bruni

Veröffentlich in Avvenire am 08.07.2012

logo_avvenire Italiens Präsident  Monti hat versichert, er teile mit Deutschland die Vision von einer "in hohem Maße wettbewerbsfähigen sozialen Marktwirtschaft", und reagierte so auf andere Stimmen in Italien, die diesen vielversprechenden Begriff ins Gespräch bringen und dazu aufrufen.  Eine Wirtschaft, die sozial, marktwirtschaftlich und darüber hinaus höchst wettbewerbsfähig sein soll, könne nur allen zu Gute kommen:  den Befürwortern des freien Marktes, denen, die für soziale Bedürfnisse und Solidarität eintreten, und sogar denen, für die mithilfe des Marktes Effizienz, Leistung und Wettbewerb vorherrschen sollen.
Man sollte jedoch vorsichtig sein gegenüber Argumenten und Parolen, die allen gefallen wollen, denn gerade die Politik ist die Kunst der Entscheidung zwischen Alternativen mit unterschiedlichen Kosten und Nutzen.

 Neue Torten

von Luigino Bruni

Veröffentlicht in Avvenire am 02/10/2011

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Es gibt keinen Ausweg aus der Krise durch Einsparungen, Einschnitte und Steuern. Für Unternehmen, Politik und Wirtschaft besteht ein dringendes Bedürfnis nach Erneuerung. Und die ernsthafte Frage kommt auf: Wie machen? Die Umsetzung ist komplex, aber in Italien (wie im Westen) entstehen überall neue Unternehmungen und neue Unternehmer. Die Unternehmer sind heute viel zu oft in den Schlagzeilen unserer Medien. Und das Substantiv „Unternehmer“ wird für die, die echte Unternehmer sind, unpassend und beleidigend verwendet. Für viele Individuen, gemeinhin als Unternehmer bezeichnet, müsste man andere Worte verwenden, zum Beispiel Geschäftemacher oder Spekulanten.

Drei Schwächen und zu viel Zögerlichkeit

Der richtige Weg ist mühsam

von Luigino Bruni

Veröffentlich in Avvenire am 06/09/2011

logo_avvenireAls Italiener und als Europäer sollten wir den Mut haben, uns der Realität zu stellen. Die weltweite Krise der Finanzmärkte hat drei fragile Ursachen: den Kapitalismus in der Finanzwelt (die überhohen Schulden), die europäische Politik, aber auch die in Italien. Dieser globalisierte Zustand des Kapitalismus, der zwei/drei Jahrzehnte lang Wachstum generiert hat dank der privaten und öffentlichen Verschuldung und dank eines kreativen und hochriskanten Umgangs mit den Finanzen (was in erster Linie systembedingt und nicht den Akteuren zuzuschreiben ist), gelangt mittlerweile ans Ende der Fahnenstange. Leider schaffen es die Märkte noch nicht, grundlegende Entscheidungen zu treffen und entschlossen einen neuen Weg zu beschreiten. Deshalb gelingt diese konkrete Umsetzung nicht, trotz der immer ausdrücklicheren Appelle des italienischen Staatspräsidenten, die er an Verantwortliche in Schlüsselpositionen unserer Politik, unserer Gewerkschaften und an wichtige Teile unserer Zivilgesellschaft richtet.

Die globale Wirtschaft beinhaltet neue Chancen und neue Risiken. Wir müssen daran arbeiten, dass alle an den Chancen beteiligt werden, nicht nur an den Risiken.

Wirtschaft in Gemeinschaft: soziale Gerechtigkeit, diese Wette kann man gewinnen

Luigino Bruni schrieb dazu einen Leitartikel in Mondo e Missione n.5/2011

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Die globalisierte Wirtschaft ist ein mächtiges Instrumentarium, aber gleichzeitig empfindlich und instabil. Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der gegenwärtigen Finanzkrise. Im Besonderen schafft diese Wirtschaftsform ungeheure Möglichkeiten, Reichtum zu vermehren, produziert aber auch neue Kosten. Dazu gehören die dramatische Unsicherheit der Finanzsysteme und noch krassere soziale Ungerechtigkeiten. Oft zahlen diejenigen am meisten für die Finanzkrise, die am wenigsten daran beteiligt waren. Darum ist die Frage nach sozialer Gerechtigkeit das dominante Thema einer neuen Wirtschaftsordnung: das wird heute deutlich in Nordafrika (wir dürfen nicht vergessen, dass die Auflehnung des Volkes gegen die verschiedenen Regierungen in erster Linie in riesigen sozialen Ungerechtigkeiten begründet liegt). Ich glaube, dass werden wir in den kommenden Jahren gerade in den arabischen Staaten noch häufiger erleben, aber auch in China und Indien. Wenn persönliche Freiheiten und Demokratisierung hier an Wachstum gewinnen, werden die ernormen sozialen Unterschiede nicht mehr toleriert werden.

Zum 14. März  jährt sich der 4. Todestag von Chiara Lubich, der Initiatorin des Prjektes Wirtschaft in Gemeinschaft 1991. In Erinnerung daran veröffentlichen wir einen an sie gerichteten, offenen Brief von Luigino Bruni, veröffentlicht in der Zeitschrift Città Nuova vom 25. März 2008.

 von Luigino Bruni

Chiara_Lubich_3_rid_sxLiebe Chiara, vor allen Dingen Danke im Namen der Bedürftigen, der Unternehmer, aller Akteure der gesamten Wirtschaft in Gemeinschaft: Mit Deiner Intuition von 1991 hast Du uns allen einen neuen Weg zum Glück, zu Freiheit und Gerechtigkeit innerhalb des üblichen Wirtschaftsgebarens geschenkt.

Die Wirtschaft ist einer der fruchtbarsten Bereiche Deines Charismas. Ihr hast Du große Aufmerksamkeit geschenkt, Zeit, Energie, Liebe. Du hast eine neue Wirtschaft ins Leben gerufen, angefangen mit den Armen, Deinen Kindern, denen Du in den Favelas von Sao Paolo begegnet bist und die Dich zur Gemeinschaft inspiriert haben, als Weg des Wirtschaftens, als normalen Weg für alle.

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