Bildung und Arbeit im Areal 5, Cochabamba

Wie WiG-Unternehmensgewinne Armenfamilien zu menschenwürdigem Leben verhelfen

Zusammengestellt von Winfried Baetz Braunias

140205-cochabamba-3Die Gewinnverwendung  der weltweit teilnehmenden WiG-Firmen (Reingewinn ohne Unternehmerlohn) hat bekanntermaßen drei Adressaten: betriebliche Re-/Investition zur Sicherung und Schaffung von eigenen Arbeitsplätzen; 2. Bildungsmaßnahmen zum Umgangsstil des Gebens und der Gemeinschaft; 3. Geschwisterliches Teilen mit Bedürftigen vor Ort und international. Wie der WiG-Ansatz gegenüber Bedürftigen in Zusammenarbeit mit der Partner-Hilfsorganisation AMU konkret wird, zeigt u.a. das Beispiel eines aktuellen Projektes in der bolivianischen Großstadt Cochabamba…

Fakten und Akteure… Cochabamba, eine 500.000-Einwohnerstadt in Bolivien, 2.500 m ü. bolivia2M., ein Zentrum des Drogenhandels. Ein Drittel der Bewohner sind aus dem Hochland zugezogene Immigranten auf der Suche nach Arbeit. Das „Areal 5“ von Cochabamba zeichnet sich durch Arbeitslosigkeit, große Armut und eine hohe Kriminalitätsrate aus: 60.000 Menschen, die Hälfte davon Familien, die mit durchschnittlich 3,3 Kindern in 1-2 Räumen hausen, ohne fließendes Wasser.  Zielgruppe des AMU/WiG-Projektes „Arbeit und Bildung für Cochabamba“ sind 1.500 Familien, Partner vor Ort ist das die bolivianischen Sozial-Stiftung Unisol der dortigen Fokolar-Bewegung, weitere Partner sind die WiG, AFN (internat. Familienorganisation), IFOP.

Das „Cochabamba“-Projekt ist, wie die meisten Interventionsprojekte der AMU, zunächst auf drei Jahre ausgelegt und geht multisektoral von verschiedenen Ansatzpunkten die sozialen Probleme an, die Familien in einem der ärmsten Stadtviertel, Areal 5, belasten. Hier geht es konkret um die schulische Betreuung von Kindern und Jugendlichen, um Haushalts- und Hygienekenntnisse in den Familien, um Sozialarbeit, berufliche Bildung, Befähigung zur Arbeit und, was die WiG-Gelder im engeren Sinne angeht, um ein Mikrokreditprogramm zur Gründung kleiner Betriebe im Stadtviertel.

Das WiG-Projekt zielt in Zusammenarbeit mit der lokalen WiG-Kommission auf bis zu 150 Mikrokreditangebote bis 2015. „Ich danke dem Zentrum und insbesondere dem ‚Laboratorium Chiara Lubich‘ für ihre Hilfe zu einem besseren Leben“ sagt eine Mikrokreditnehmerin. „Ich bin froh, dass ich zum nötigen Unterhalt meiner Familie beitragen kann, ohne meine Kinder allein zu lassen, sagt eine andere.“ Schon dieses Echo belege die Wirkung des Projektes auf das Leben der Kernfamilien dieses Gebietes, meint AMU-IT Projektmanager Francesco Tortorella, „sodass die Mütter so unterstützt werden, dass sie ihre Kinder wegen des Jobs nicht allein lassen müssen.“

140205-cochabamba-2Wonach richtet sich die Auswahl der Projekte und wie kommt die WiG an dieses Armutsprojekt? Tortorella: „Ein Drittel der Gewinne aus Betriebsergebnissen der WiG-Firmen richtet sich eben an Bedürftige im internationalen Bereich und zielt dabei auf die drei Grundbereiche extremer Armut in der Welt: 1) Behebung elementarer Notlagen zur Gesundheit und Arbeitsbeschaffung bzw. Einkommens-Erzielung, 2) Unterstützung von Bildungsmaßnahmen im Primar,- Sekundar,- und Hochschulbereich und der beruflichen Ausbildung, 3) Schaffung und Konsolidierung von Arbeitsplätzen in Produktionsstätten in Armutsarealen.“

Was ist das Besondere am WiG-Ansatz und wie ihn die AMU umsetzt? Tortorella: „Der integrative Ansatz der AMU, die von Italien (www.amu-it.eu) von Luxembourg (www.amu.lu) aus agiert, zeichnet sich durch drei Grundsätze aus: 1. durch die komplette Einbeziehung der Ortsgemeinde in die Entwicklungsprojekte,  2. durch die Wertschätzung der kulturellen Besonderheiten, 3. durch Respekt und Förderung des Einzelnen wie auch des sozialen Netzwerkes. Unter diesen Voraussetzungen wird das Geben und Nehmen gegenseitig und mündet in Geschwisterlichkeit.“
 
Das bestätigt Alejandra Ontiveros, die Koordinatorin des Sozialzentrums Rincon de Luz140205-cochabamba-1(Plätzchen am Licht) vor Ort in ihrem Bericht Mitte 2013 zur Halbzeit des Projektes im Areal 5/Cochabamba, „…auch wenn es nicht einfach war, die Wende zu vollziehen von einem Ansatz herkömmlicher unterstützender Sozialarbeit hin zu einem partizipatorischen Vorgehen“ im Sinne des WiG-Ansatzes. Doch der Erfolg gibt dem Ansatz Recht. Neben der Hausaufgabenhilfe über Workshops für Familien, Arbeitsvorbereitungskurse und Mikrokreditvergabe sieht das Projekt z.B. auch Studienstipendien vor, und zwar, das ist neu, verbunden mit der Gegenleistung, im Sozialzentrum mitzuhelfen: So haben die Empfänger unmittelbar Gelegenheit sich der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen.

Drei Beispiele für Projekt-Karrieren zählt die Koordinatorin auf: „Y.J.M. hatte sein Pädagogikstudium abbrechen müssen, weil er finanziell und psychisch überfordert war. Durch das Projekt „Bildung und Arbeit in Cochabamba“ konnte er im Büro des Sozialzentrums Rincon de luz  ein Praktikum absolvieren und dann seinen Abschluss machen. - S.F. gehört zu den Müttern, die am Projekt teilnehmen. Seit Jahren trägt sie zum Familieneinkommen bei. Am  Zentrum hilft sie jetzt als Reinigungskraft und in der Schneiderwerkstatt mit. Sie hat gute Schnitt- und Nähkenntnisse und wollte immer schon einen anerkannten Abschluss als Schneiderin haben. Durch unser Stipendium macht sie jetzt mit großem Eifer eine Schneiderlehre und will ihr Erlerntes auch in der Werkstatt allen anderen Frauen weitergeben. - Der 18jährige G.M. besucht eine Technische Oberschule und hat bei uns eine Grafiker-Ausbildung beantragt. Er hilft dem Sozialzentrum bei der Wartung der elektrischen Anlagen und der Computer, und weil er sehr zuverlässig und verantwortungsvoll ist, konnte er ohne Probleme ein Grafikstipendium bekommen.

140205-cochabamba-4Insgesamt lässt sich sagen, der Erfolg der verschiedenen Aktivitäten des Projektes hängt mit einer bestimmten Einstellung zusammen: Dass man sich nämlich um jeden Einzelnen persönlich kümmert, so aufmerksam und mit einem so hohen Respekt, als wäre es die einzige Person auf der Welt. Das ist in einer Stadt wie Cochabamba etwas ganz Besonderes“, schließt die Leiterin des Koordinationszentrums ihren Zwischenbericht zu diesem multisektoralen Projekt.

 

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