Interview des Wall Street Journal mit Teresa Ganzon, der Generaldirektorin von Bangko Kabayan, einer Rural-Bank auf den Philippinen, die der „Wirtschaft in Gemeinschaft“ angehört.

Von Gregory J.Millan

 Veröffentlicht in The Wall Street Journal am 31. Januar 2015

Teresa Ganzon BK ridTeresa Ganzon und ihr Mann haben 1989 die Aktienmehrheit von Bangko Kabayan Inc. erworben, als es nur eine einzige Filiale der Bank gab. Heute ist sie eine der größten Rural-Banken auf den Philippinen. Sie gehören auch zu den führenden Leuten der „Wirtschaft in Gemeinschaft“, einem internationalen Netz von rund 800 Betrieben und Unternehmen, die sich der Kirchlichen Soziallehre verpflichtet wissen. Papst Franziskus hat auf einer Pressekonferenz während seiner Philippinenreise die Korruption im Land scharf verurteilt. Er sprach sogar davon, die korrupten Funktionäre mit einem gezielten Tritt hinauszubefördern.

Wo liegen die Reibungspunkte für ein philippinisches Unternehmen, das sich an der katholischen Soziallehre orientiert?

 „Es geht hier in erster Linie um Respekt und Achtung. Bei uns ist es ein Zeichen des Widerspruchs, wenn man die Steuern bezahlt, das gilt vor allem für mittlere und kleine Betriebe. Bei uns sind Korruption und Amtsmissbrauch an der Tagesordnung, gerade in öffentlichen Ämtern. Für einen Unternehmer ist es reine Überlebenstaktik, Schmiergelder zu zahlen. Das gilt als völlig normal, das tun alle.“

Das widerspricht der kirchlichen Soziallehre und Papst Franziskus. Wie soll man mit dieser angeborenen Korruption fertig werden?

Ein Betrieb der Wirtschaft in Gemeinschaft orientiert sich an ethischen Richtlinien. Die Unternehmer sind sich bewusst, dass sie die Aufgabe haben, die Dinge zu ändern und sich an christlichen Werten auszurichten. Vor einigen Jahren wollten wir ein Darlehensmodell anbieten, von dem wir überzeugt waren, dass es auf große Nachfrage stoßen und gute Einnahmen bringen würde. Aber als ein Regierungsbeamter einen Teil der Zinseinnahmen für sich beanspruchte, haben wir umdisponiert. Auf den Philippinen ist es ungewöhnlich, dass größere oder kleinere Unternehmen Steuern bezahlen. Wir haben einen Preis bekommen, weil wir eine von fünf Firmen sind, die es hingegen tun.

Ihr habt also auf ein gutes Geschäft verzichtet, weil ihr keine Schmiergelder zahlen wolltet?

 „Ja, aber dann haben wir die Mikrokredite für uns entdeckt. Das heißt, wir beziehen uns auf jenen Teil der Gesellschaft, der ’außerhalb des Bankgeschäftes’ liegt. Wir haben ein Finanzierungsprogramm entwickelt, das einen noch weiteren Kundenradius hat, auch wenn es schwieriger zu bewerkstelligen ist als das frühere Darlehensmodell.

Wie beeinflusst die Kritik des Papstes an spekulativen Finanzgeschäften euer Unternehmen?

 „Der Papst spricht davon, die notleidende Bevölkerung mehr in den Blick zu nehmen. Das bestärkt uns, die wir uns auf die Vergabe von Mikrokrediten spezialisiert haben, Es ist ein Geschäft unter sehr schwierigen Bedingungen, denn es verlangt viel Arbeit von uns. Wenn junge Leute in einer Bank arbeiten wollen, dann stellen sie sich eine angenehme Umgebung vor, eine Bankfiliale mit Klimaanlage. Nach einigen Monaten kündigen sie wieder, weil es unbequem ist. Daher ist es für uns schwierig, Mitarbeiter zu finden, die bereit sind, diesen unbequemen Mehraufwand zu leisten. Aber wir tun es genau wegen der Menschen, die keine Bank als Kunden haben mag. Aber es ist eine Herausforderung. Wir tun uns schwer, die Effizienzstandards zu erreichen, aber wir bemühen uns wenigstens um die Standards einer guten Kreditvergabe, um auf dem Markt bleiben zu können. Die Botschaft des Papstes lässt allerdings nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig: das wesentliche Geschäft, auf das wir nicht verzichten können, ist der Dienst an den Armen.

Quelle: Wall Street Journal

 

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