Universitätsinstitut Sophia/Loppiano: wenn sich Philosophie, Wirtschaft und Politik begegnen

Die amerikanische Philosophin Martha Nussbaum hat am 6. Juni 2011 am Universitätsinstitut Sophia in Loppiano (Florenz) eine Gastvorlesung gehalten zu: „Öffentliche Emotionen“, eine kritische und zugleich emotionale Annäherung an eine Gesellschaft, die sich stärker dem Gemeinwohl öffnet.

Wenn sich Philosophie, Wirtschaft und Politik begegnen

von Chiara Andreola
erschienen in Cittànuova.it am 8/06/2011

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Die Gastvorlesungen werden jeweils von bekannten Professoren der zeitgenössischen Kultur gehalten. Nach Ugo Amaldi, Kardinal Marc Quellet, Stefano Zamagni und Sergio Zavoli lehrte diesmal Martha Nussbaum.

Sie hat 1986 zum ersten Mal das Konzept der „Beziehungsgüter“ eingeführt, das inzwischen zum festen Bestandteil der Wirtschaftswissenschaften gehört. Gemeinsam mit der Nobelpreisträgerin Amartya Sen hat sie den Index der Vereinten Nationen zum Thema „Menschliche Entwicklung“ nach dem Prinzip des capability approach erarbeitet. Martha Nussbaum ist aber keine Wirtschaftswissenschaftlerin, sondern Philosophin. Sie ist Dozentin für Recht und Ethik an der Universität von Chicago und hat sich vor allem einen Namen gemacht, weil sie das Thema „Emotionen“ in politische und soziale Studien eingebracht hat.

In Loppiano hat sie zunächst die Studentinnen und Studenten der „Sophia“ in einen lebendigen, interessanten Austausch verwickelt, in dem sie nicht nur Antworten gab sondern auch Fragen stellte. Danach ging es um Themen wie Zusammenleben von unterschiedlichen Kulturen und Religionen oder die Erziehungssysteme in den einzelnen Ländern, aus denen die Studenten kommen. Man sprach natürlich auch über die Beziehung von Philosophie und Wirtschaft. Besonders interessant die Erzählung von Martha Nussbaum über ihre Zusammenarbeit mit Amartya Sen, aus der die Notwendigkeit hervor ging, unter Forschern verschiedener Disziplinen besser und intensiver als bisher zusammen zu arbeiten zum Wohl der globalisierten Gesellschaft.

Natürlich hat die Erfahrung von „Sophia“ die Wissenschaftlerin sehr interessiert. Sie sieht darin einen Typ „interdisziplinärer Ausbildung, die für die zukünftigen Weltbürger von entscheidender Bedeutung“ sei. Sie hat die Studenten eingeladen, sich damit zu befassen, wie man eine kritische Annäherung an ein Thema mit Emotionen verbinden könne, ohne dass das eine das andere ausschliesse. Ihrer Meinung nach gehört beides zusammen, wenn man eine Gesellschaft aufbauen möchte, in der alle Aspekte menschlichen Lebens respektiert werden.

Die öffentliche Vorlesung zum Thema „Public emotions and the decent society“ glich einer Reise durch Raum und Zeit, vom Europa der Französischen Revolution und dem Gedankengut von Comte und Mill  bis zum Indien von Tagore und Ghandi. Dabei stellte die Dozentin dar, welchen Weg eine Gesellschaft, die um eine „zivile Religion“ herum aufgebaut wird, unterstützt von Emotionen, bereits zurückgelegt hat am Beispiel des indischen Subkontinentes. Wobei unter „Emotionen“ der Blick für den anderen gemeint ist, die Fähigkeit, Gemeinwohl zu erkennen und durchzusetzen im Dienst der ganzen Gesellschaft, eine Aufgabe, die eigentlich dem Staat zukäme, der bereits bei der Schulerziehung damit anfangen müsse.

Quelle: Città Nuova online

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