“Solidarisch wirtschaften” - Erste Präsentation der WiG in Nordwestdeutschland

Ein Studientag im Dortmunder Sozialinstitut Kommende über ethische Wirtschaftsalternativen.

Von Winfried Baetz-Braunias

2012-06-09-dortmund-1Dortmund, 9. Juni 2012 - Solidarisches Wirtschaften in Zeiten der Krise stand im Zentrum einer gemeinsamen Studientagung des erzbischöfl. Sozialinstitut Kommende und des Regionalsekretariats Neue Gesellschaft der Fokolare. Neben Vorträgen zu Innovationen und Beispielen aus der Geschichte der christlichen Soziallehre präsentierte sich die WiG als international solidarisches Wirtschaftsmodell mit Antworten auf die Krise der Globalisierung, das im Einzelunternehmen beginnt. 

Vor 45 Unternehmern und ökonomisch Interessierten stellte Kommende-Institutsleiter Msgr. Dr. Peter Klasvogt an der Ideengeschichte der katholischen Soziallehre heraus, „was trägt, wenn die Welt aus den Fugen gerät“. Auf besorgniserregende historische Wirtschaftsentwicklungen habe die Kirche immer humanistische Werte ins Feld geführt gegen eine Grundhaltung des partikulären Eigennutzes auf Kosten des Gemeinwohls. Die Globalisierung dränge nun zu einer Vision der Menschheitsfamilie, wie sie Benedikt XVI. in „Caritas in Veritate“ beschreibe. Gratuität, freies Geben als neuer Wert der Geschwisterlichkeit in einer multikulturellen Welt könne zu einer Zivilisierung der Wirtschaft führen, im Bewusstsein, dass menschliches Leben und seine Möglichkeiten Geschenk sind. „Nicht nur sehen, was wir einander schulden, sondern auch was wir einander verdanken“ befähige zu dieser anderen Haltung und führe zu neuem, gegenseitigem Vertrauen, politisch wie auch im Betrieb.

Wie sehr die einzelunternehmerische Innovation maßgeblich sein kann für alternative gesellschafts-politische Weichenstellungen machte Cristian Loza Adaui, Betriebswirt und Doktorand an der kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt, an zwei historischen Beispielen deutlich: Benedikt von Nursia habe im 6. Jahrhundert als Klostergründer weitreichende Innovationen eingeführt, wie Arbeitsteilung, subsidiäre Führung und gemeinschaftsorientiertes Wirtschaften mit einer hohen Sensibilität für individuelle Motivationen.  Im 19. Jahrhundert 2012-06-09-dortmund-2antwortete der christliche Textilunternehmer Franz Brandts erstmals auf die industrielle Revolution mit Arbeitszeitbegrenzung, Lohnverbesserungen und betrieblichen Sozialeinrichtungen (Kantine, Kindergarten, Bibliothek), vor allem mit einer selbstverwalteten Pflichtkrankenkasse. Seine Innovationen schlugen sich im Wertekatalog der ersten Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ nieder, sein 800.000 Mitglieder zählender Volksverein beeinflusste die Sozialpolitik Deutschlands. Heute seien solidarische Wirtschaftsinnovatoren gefragt, die sich am „Metaprofit“ orientieren: mit gezielt ethischen Investitionen, gemeinwohlorientierter Unternehmerschaft sowie gemeinschaftssensiblem Management

Ein Kurzfilm führte in die Ziele der globalen Unternehmerinitiative „Wirtschaft in Gemeinschaft“ ein, die angesichts der zunehmenden ökologischen wie sozialen „Entartung der Beziehungen“ (Chiara Lubich) neuartige Firmen herausbildet, in denen sich die Produktionsbedingungen und die Gewinnverwendung am Gemeinwohl orientieren und zivilisierend neben die ökonomische Effizienz treten. Dass man damit sehr erfolgreich am Markt agieren kann, zeigte der Mendener WiG-Unternehmer Johannes Linke vom Handwerksbetrieb Webelhaus (High-End-Inneneinrichtungen), für den ethische Maßstäbe selbstverständlich sind: Ein fester Anteil des Betriebsgewinns geht in Absprache mit allen Mitarbeitern in zertifizierte Hilfsprojekte. Grundlegend sei die gegenseitige Wertschätzung auf Augenhöhe: „Es gibt bei uns nur Mitarbeiter.“ Ob Kundenzufriedenheit oder Teamgeist bei Herstellung und Montage, selbst die Gewinnbeteiligung der Festangestellten oder die besondere Fürsorge für einzelne Auszubildende führten langfristig zu einer Umsatzsteigerung, da auch die Kunden den besonderen Mehrwert des Engagements spürten. Gegenwind gebe es eher von der Innung.

2012-06-09-dortmund-3Weitere WiG-Akteure und Unternehmensbeispiele in drei Workshops machten Notwendigkeit und Erfolg mutiger Initiative bei einer gegenseitigen Rückendeckung deutlich, um jeweils aus mikroökonomischer ethischer Praxis nachhaltige Ansätze für die Makroökonomie aufzuzeigen, wie mit der WiG. Möglichkeiten zur weiteren Vernetzung boten sich u.a. mit Vertretern der Gemeinwohl-Ökonomie , Christen in der Wirtschaft oder des 3WIN e.V. für zivilgesellschaftliches Engagement.

Teilnehmer-Echos auf die Tagung: “Selten so viele angeregte Gespräche und Möglichkeiten der Vernetzung…” - “Faszinierend, wenn Unternehmer sich um schwierige Mitarbeiter kümmern; sonst kenne ich nur Orientierung am Maximalgewinn.” - “Wichtig ist offenbar nicht nur die Freude an der Arbeit, sondern auch daran, andere froh zu machen.” - “Durch die Praxisbeispiele wurde vieles plastischer.” – „Es gibt ein riesiges Potential an neuen positiven Wegen, die es verdienen, gesehen, genutzt bzw. nachgeahmt zu werden.“ - “Als klassischer Ökonom sehe ich den harten Wettbewerb, doch es muss Unternehmer geben, die Zukunftsakzente setzen.” – „Wer die Welt retten will, muss im eigenen Unternehmen anfangen.” – „Wie viele Bibelstellen entdecke ich neu, die einen gangbaren Weg aufzeigen, wenn wir nur glauben würden, was da geschrieben steht!

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