Best practices

„Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen“

Äußerst konkrete Hilfe nach der Überschwemmung in Ligurien

Von Giacomo Linaro*

Giacomo_e_Franca_LinaroAm 25. Oktober hatte ich in Monterosso zu tun, wo wir als Gruppo Tassano ein Board Meeting mit dem Consortium Pater Semeria geplant hatten. Mit ihnen führen wir eine große Senioren-Residenz, schön gelegen auf den Hügeln des Ortes, auch mit Einrichtungen für Touristen. Die Gewalt und die Geschwindigkeit der Überflutung zwang nun alle, sofort die ersten Schäden zu beheben. Das Wasser war durch Fenster und Türen eingedrungen und mit den Arbeitern des Seniorenheims, Verwandten und wer gerade konnte musste alles schnell trocken gelegt werden. Als der Strom ausfiel, war der Ort Monterosso bald von der Außenwelt abgeschnitten. Dank eines Notstromaggregats waren wir aber unabhängig.

Uns erreichte die Nachricht, dass die Autobahn blockiert und die Eisenbahnlinie durch einen Erdrutsch unterbrochen war: 180 Menschen waren am Bahnhof hängen geblieben und niemand wusste wohin mit ihnen. Die Hotels waren geschlossen, es ist Wintersaison. Gegen 21 Uhr fragten der Bürgermeister, mit dem wir sehr gute Arbeitsbeziehungen pflegen, und der Zivilschutz an, ob wir alle diese Leute für die Nacht aufnehmen könnten, Touristen und Pendler, die nicht wussten, wo sie bleiben sollten. Sofort bildete sich eine Kette der Solidarität und alle setzten sich in Bewegung: Wir stellten sämtliche Räume des Zentrums zur Verfügung, alle Schlafplätze, dazu Essen und Trinken, sogar die Bänke der Kapelle wurden benötigt, nachdem das Allerheiligste herausgebracht worden war.

Der Generalobere des Ordens, Träger des Hauses, sagte ergriffen: „Angesichts des Unheils erkenne ich in diesen Mauern den Gründergeist Pater Semerias wieder: gebaut für Notfälle, für die Bedürftigen und Obdachlosen.“ Man lebte in einer konkreten Brüderlichkeit, unermüdlich aktiv. Für zwei Tage saßen wir dort fest und die  Arbeiter schoben Schicht für Schicht, ohne Pause, bei guter Stimmung. Am nächsten Morgen konnten die Touristen, alle aus dem Ausland, abreisen. Sie bedankten sich und bewunderten die außerordentliche italienische Gastfreundschaft.

Doch da war noch ein anderes Problem: Der Koch konnte durch das Unwetter nicht zur Arbeit kommen. Also musste ich als Koch improvisieren. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter haben wir das Mittagessen vorbereitet (Pasta, Fleischbällchen, Kartoffeln) für die Alten, für die verbliebenen Menschen und für die Retter des Zivilschutzes. Die nahmen jetzt dieses Zentrum als Ausgangsbasis für ihre Einsätze, da es günstig liegt und sicherer ist. Übrigens leisteten auch unsere Angestellten mit den Ordensleuten und den Freiwillen des Zivilschutzhelfern gute Zusammenarbeit.

Daraufhin ergab sich noch mehr Schönes und Bedeutsames.  Auf Veranlassung des Bürgermeisters wurde das Zentrum Pater Semeria um die Aufnahme der Kinder von Kindergarten und Grundschule gefragt, um den Schulbetrieb weiterzuführen, da die Einrichtungen im Ort gefährdet waren. Umgehend wurde dem entsprochen und da es keine brauchbaren öffentlichen Spielplätze mehr gab, brachten die Mütter ihre Kinder zum Spielen in unseren Park. Außerdem wurde der Leichnam von Sandro Usai, in der Totenhalle des Altenheims aufgebahrt - nachdem man den freiwilliger Helfer gefunden wurde, der bei der Rettung von zwei Menschen umgekommen war. Hier konnte nun die Bevölkerung Abschied nehmen.

Kurz, dieses Zentrum Pater Semeria war ein sicherer Bezugspunkt  und steht für alle Ortsbewohner weiterhin zur Verfügung. Die Großzügigkeit der Arbeiter und Führungskräfte mit ihrer geistlichen Haltung der Offenheit für die Bedürftigen - in der Intention des Ordensgründers und seiner Schüler - trifft auf den Geist der Brüderlichkeit, der in einem Betrieb der Wirtschaft in Gemeinschaft präsent ist. 

Größere Schäden hatten wir in einem  Altenheim unseres Konsortiums in Brugnato, das wir mit dem Konsortium Campo del Vescovo führen: Dort führte das meterhohe Wasser, Baumstämme mit, Tonnen,  Autos, und hinterließ überall dicken Schlamm. Auch hier kam gleich am nächsten Tag eine tolle Truppe aus Männern, Frauen, Jugendlichen unserer Kooperative zustande zum Schaufeln und Helfen.

In Borghetto Vara, ein anderer schwer geschädigter Bezirk, führen wir eine Industriewäscherei mit ca. 80 Mitarbeitern: das Wassers drang mit solcher Macht bis zu den Waschmaschinen und Trocknern ein, dass es Bäume, Geröll, Schlamm, Fahrzeuge mit sich zog, ein Schaden von ca. 1,5 Millionen Euro; und die 80 Mitarbeiter sind erst Mal ohne Arbeit... Alle sind entsetzt, sprachlos, verängstigt. Aber sie haben auch den Willen neu anzufangen und noch besser weiterzumachen in diesem Klima der Brüderlichkeit und gegenseitigen Hilfe, um das Beste zu geben, das trotz allem ja da ist... 

*Giacomo Linaro ist Präsident der Gruppo Tassano, einem Konsortium von 20 ital. Genossenschaften, Mitglieder der „Wirtschaft in Gemeinschaft“.

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